Auf Anime-Festivals gibt es jetzt Trupps gegen den Gestank
Beim Comic Market in Tokio wurde das Problem des Schweißgeruchs buchstäblich auf eine eigene Ebene gehoben. Auf dem Festival ist ein spezieller Odor Defense Squad im Einsatz – ein „Trupp gegen den Geruch“ –, und Besucher werden aufgefordert, durch ein desodorierendes Tor zu gehen. Und das ist kein Scherz: Ähnliche Hygieneprobleme haben Veranstalter von Gaming-Events bereits dazu gezwungen, Turniere abzusagen.
Am 15. und 16. August findet in Tokio der Comic Market 108 (Comiket) statt – Japans größte Veranstaltung für Fans von Manga, Anime, Cosplay und Fan-Werken. Das Festival findet im Ausstellungszentrum Tokyo Big Sight statt, zu dem an diesen Tagen riesige Besuchermengen strömen.
Doch neben den traditionellen Gesprächen über Manga, Figuren und Cosplay gibt es beim Sommer-Comiket noch ein weiteres jährlich wiederkehrendes Thema – den Geruch.
Der Grund ist ziemlich banal. Der August in Tokio bedeutet Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit, und der Comic Market versammelt Tausende Menschen in einem einzigen Ausstellungskomplex. Die Besucher verbringen viel Zeit in Warteschlangen und überfüllten Hallen, sodass die Kombination aus Hitze, Schweiß und einer großen Menschenmenge zu einem ernsthaften Problem wird.
Und die Japaner haben eine äußerst ungewöhnliche Art gefunden, dagegen vorzugehen.
Hier kommt der Odor Defense Squad
Auf der C108 ist wieder ein spezielles Odor Gate im Einsatz – ein von der Firma WAKAYAMA organisiertes „desodorierendes Tor“. Das Projekt entstand bereits beim Sommer-Comiket 104 im Jahr 2024 und findet nun schon im dritten Jahr statt.
In diesem Jahr wurde darum ein regelrechter Odor Defense Squad gebildet – ein Team aus sechs Cosplayern. Sie helfen den Besuchern bei der Anwendung des desodorierenden Mittels, fotografieren sich mit ihnen und machen die Geruchsbekämpfung zu einem besonderen Teil des Festivalprogramms. Außerdem werden den Besuchern kleine Geschenke angeboten, und über einen Gacha-Automaten können sie Souvenirs erhalten.
Das wichtigste Mittel ist ein von der Firma entwickeltes antibakterielles und desodorierendes Spray, das Gerüche, die durch Schweiß und Bakterien entstehen, schnell beseitigen soll.
Die Veranstalter sagen ihren Besuchern also im Grunde: „Wenn ihr es nicht geschafft habt zu duschen – geht wenigstens durch das desodorierende Tor.“
Warum das Problem so ernst geworden ist
Für den Comic Market ist das Thema Geruch längst zu einer Art jährlichem Meme geworden.
Hinter den Witzen steckt jedoch ein durchaus reales Problem. Im Sommer verbringen die Menschen stundenlang in der Hitze, stehen in Warteschlangen und finden sich anschließend in dicht gedrängten Menschenmengen innerhalb der Hallen wieder. Selbst wer morgens geduscht und Deo benutzt hat, kann nach mehreren Stunden in der Hitze und zu Fuß in einer völlig anderen Situation sein.
Deshalb erinnern japanische Nutzer in den sozialen Netzwerken künftige Comiket-Besucher jedes Jahr an fast genau dasselbe: Duscht, zieht saubere Kleidung an und nehmt Mittel gegen Schweiß mit.
In diesem Jahr entbrannte die Diskussion erneut, nachdem der Odor Defense Squad aufgetaucht war. In den sozialen Netzwerken scherzen die Menschen, man hätte die desodorierenden Tore direkt am Eingang aufstellen sollen, damit überhaupt alle Besucher hindurchgehen.
Doch einmal musste eine Veranstaltung wegen mangelnder Hygiene tatsächlich gestoppt werden
Und hier hört die Geschichte auf, nur ein amüsantes japanisches Meme zu sein.
Im Juli 2026 gab Chronos Games & Gifts – ein Geschäft für Brett- und Sammelspiele in Beaverton im US-Bundesstaat Oregon – die vorübergehende Aussetzung der lokalen Yu-Gi-Oh!-Turniere bekannt.
Der Grund waren zahlreiche Beschwerden über die mangelnde Hygiene der Teilnehmer sowie Probleme bei der Nutzung der Toiletten. Nach Angaben des Geschäfts war die Situation so weit eskaliert, dass negative Bewertungen im Zusammenhang mit unangenehmem Geruch auftauchten. Daraufhin beschlossen die Veranstalter, die lokalen Yu-Gi-Oh!-Veranstaltungen für eine Woche abzusagen.
Das Geschäft erinnerte die Spieler außerdem an die Anforderungen von Konami und bat sie, grundlegende Regeln der persönlichen Hygiene einzuhalten.
Die Formulierung „Das Turnier wurde abgesagt, weil die Spieler gestunken haben“ klingt also wie ein Internetwitz, doch dahinter steckt eine durchaus reale Geschichte: Wegen Beschwerden über die Hygiene mussten die Veranstaltungen tatsächlich für eine Woche pausieren.
Wichtig ist dabei die Präzisierung: Nicht der Comic Market wurde wegen des Geruchs geschlossen, wie es in Zusammenfassungen in den sozialen Netzwerken manchmal heißt. Im Fall des Comikets versuchen die Veranstalter, das Problem vorbeugend zu lösen – mit einem desodorierenden Stand.
Von Memes zur Infrastruktur
An dieser Geschichte ist nicht einmal die Existenz eines „Trupps gegen den Geruch“ das Bemerkenswerteste, sondern die Tatsache, dass das Problem allmählich zu einem Teil der Infrastruktur großer Fanveranstaltungen wird.
Früher wurde der Rat „Duscht vor der Convention“ vor allem als Meme wahrgenommen, das mit Klischees über Geeks und Anime-Fans verbunden war.
Nun gibt es spezielle Regeln, Warnungen und sogar desodorierende Stationen.
Und die Lösung ist denkbar japanisch ausgefallen: Man stellt niemanden öffentlich bloß, sucht nicht nach dem „stinkendsten Besucher“, sondern schafft eine separate, auffällige Zone mit Cosplayern, Fotos und einem speziellen Spray.
Doch der wichtigste Rat der Veranstalter und Besucher selbst bleibt viel einfacher:
Vor dem Comic Market sollte man trotzdem duschen.
Denn selbst das leistungsstärkste Odor Gate kann die grundlegende persönliche Hygiene nicht ersetzen.
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