Südkoreanischer Fußballverband soll ausländischen Schiedsrichtern vor WM-Qualifikationsspielen Sexdienstleistungen bezahlt haben
Der südkoreanische Fußball ist in einen der größten Korruptionsskandale der vergangenen Jahre verwickelt. Dem südkoreanischen Fußballverband (KFA) wird vorgeworfen, ausländische Schiedsrichter in den Jahren 2011–2012 vor wichtigen internationalen Spielen der Nationalmannschaft, darunter Begegnungen der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2012, in Massagesalons geführt zu haben, in denen sexuelle Dienstleistungen angeboten wurden.
Die Geschichte wurde erst jetzt bekannt, nachdem der südkoreanische Fernsehsender JTBC und die Nachrichtenagentur Yonhap Unterlagen einer internen Untersuchung des Ministeriums für Kultur, Sport und Tourismus ausgewertet hatten, die bereits 2016 durchgeführt worden war. Den Dokumenten zufolge nutzten Verbandsfunktionäre Firmenkreditkarten, um sogenannte «Massagedienstleistungen» zu bezahlen. Die Prüfer kamen jedoch zu dem Schluss, dass es sich um Einrichtungen handelte, die ausländischen Gästen sexuelle Dienstleistungen anboten.
Den Ermittlungen zufolge wurde diese Form der «Gastfreundschaft» mindestens vor sieben internationalen Spielen organisiert. Etwa 20 ausländische Schiedsrichter und FIFA- sowie AFC-Inspektoren aus Japan, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Iran, Bahrain und Usbekistan nahmen die Dienstleistungen in Anspruch. In einzelnen Fällen überstieg die Höhe der Zahlungen eine Million südkoreanische Won, während die Ausgaben offiziell als gewöhnliche Bewirtungskosten verbucht wurden.
Besondere Aufmerksamkeit erregt die Sportstatistik jener Zeit. In allen sieben Spielen, vor denen die Schiedsrichter den Berichten zufolge auf diese Weise empfangen wurden, verlor die südkoreanische Nationalmannschaft nicht — sie holte fünf Siege und spielte zweimal unentschieden. Zu diesen Begegnungen gehörten wichtige Spiele der WM-Qualifikation, darunter ein 2:0-Sieg gegen Kuwait, sowie ein olympisches Qualifikationsspiel gegen Oman. Beweise dafür, dass die Schiedsrichter voreingenommene Entscheidungen trafen oder die Ergebnisse der Spiele bewusst beeinflussten, liegen derzeit jedoch nicht vor.
Für ebenso großes Aufsehen sorgten die Erklärungen ehemaliger KFA-Mitarbeiter. Nach Angaben südkoreanischer Medien erklärten einige von ihnen, eine solche Praxis habe vor mehr als zehn Jahren angeblich als «normaler Bestandteil des Empfangs ausländischer Gäste» gegolten. Darüber hinaus behauptet ein ehemaliger Funktionär, dass einige ausländische Schiedsrichter bei ihren Besuchen in Südkorea selbst solche Unterhaltung erwartet hätten. Gerade diese Aussagen lösten in der Öffentlichkeit und in der Sportgemeinschaft besonders heftige Reaktionen aus.
Der Fußballverband erklärte, es gehe um Ereignisse, die sich vor fast 15 Jahren zugetragen hätten. Vertreter des KFA betonten, dass sich die Organisation heute an strenge FIFA-Vorgaben und eigene Antikorruptionsregeln halte, räumten jedoch ein, dass es nach so vielen Jahren äußerst schwierig sei, die Umstände des Geschehens vollständig zu klären.
Der Skandal brach zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt für den südkoreanischen Fußball aus. Nach dem enttäuschenden Abschneiden der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2026 steht die Arbeit der Verbandsführung unter genauer Beobachtung der Behörden. Die Polizei ermittelt bereits separat zum Verfahren der Ernennung des ehemaligen Nationaltrainers Hong Myung-bo, außerdem wurden kürzlich die Räumlichkeiten des KFA durchsucht. Vor dem Hintergrund dieser Untersuchungen erhielten Journalisten Zugang zu Archivunterlagen, die die Geschichte über die Bezahlung sexueller Dienstleistungen für Schiedsrichter ans Licht brachten.
Juristen weisen darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit ernsthafter Sanktionen durch die FIFA selbst im Falle einer vollständigen Bestätigung der Vorwürfe gering bleibt. Die mutmaßlichen Verstöße liegen mehr als zehn Jahre zurück und fallen wahrscheinlich bereits unter die Verjährungsfristen des Disziplinarrechts des internationalen Verbandes. Der Reputationsschaden für den südkoreanischen Fußball könnte jedoch deutlich schwerer wiegen als mögliche rechtliche Folgen.
Die Ermittlungen dauern an. Südkoreanische Medien schließen nicht aus, dass in naher Zukunft weitere Dokumente zu anderen internationalen Spielen und zur Praxis des Empfangs ausländischer Offizieller in jenen Jahren veröffentlicht werden.
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