Ärzte fanden heraus, wie viel man schlafen muss, um das Altern zu verlangsamen
Die Schlafdauer ist wichtiger als Ernährung, Sport und sogar das Stressniveau, wenn es um die Geschwindigkeit des Alterungsprozesses des Körpers geht. Zu diesem Schluss kam ein internationales Forscherteam aus China, das die Ergebnisse einer der größten Studien zum biologischen Alter in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht hat.
Die Wissenschaftler analysierten Daten von mehr als 500.000 Menschen und versuchten, eine Frage zu beantworten, die Gerontologen schon lange beschäftigt: Welcher Faktor beeinflusst am stärksten, wie schnell unsere Organe altern?
Das Altern wurde nicht nach dem Pass gemessen
Im Gegensatz zu den meisten ähnlichen Arbeiten bewerteten die Forscher nicht das kalendarische Alter der Teilnehmer, sondern den Zustand des Körpers auf biologischer Ebene.
Dafür wurden Magnetresonanztomographie, Blutproteinanalysen, metabolische Marker und andere Methoden zur Gesundheitsbewertung eingesetzt. Insgesamt untersuchten die Fachleute gleichzeitig den Zustand von 17 verschiedenen Organen und Körpersystemen — vom Gehirn und Herzen bis zur Leber, der Bauchspeicheldrüse und dem endokrinen System.
Die gewonnenen Daten ermöglichten es, eine Art Karte des Alterns des menschlichen Körpers zu erstellen und zu bestimmen, welche Faktoren am stärksten mit dem beschleunigten Verschleiß der Organe verbunden sind.
Der wichtigste Faktor war der Schlaf
Das Ergebnis überraschte sogar die Forscher selbst.
Von allen gemessenen Parametern zeigte gerade die Schlafdauer den engsten Zusammenhang mit der Geschwindigkeit des biologischen Alterns.
Am günstigsten erwies sich ein Bereich von 6,4 bis 7,8 Stunden Schlaf pro Tag. Menschen, die regelmäßig in diesem Intervall schliefen, zeigten in nahezu allen Organsystemen die niedrigsten Alterungsraten.
Der Effekt erwies sich als außergewöhnlich stabil: Sowohl Schlafmangel als auch übermäßiger Schlaf gingen mit einem beschleunigten Altern des Körpers einher.
Die Autoren der Studie betonen, dass es nicht um ein einzelnes Organ geht. Veränderungen wurden gleichzeitig in verschiedenen biologischen Systemen beobachtet, was auf einen globalen Einfluss des Schlafs auf den Organismus hinweist.
Am stärksten leidet das Gehirn
Am empfindlichsten gegenüber Schlafstörungen erwies sich das Gehirn.
Bei Menschen, die regelmäßig außerhalb des optimalen Schlafbereichs lagen, zeigten sich Anzeichen eines beschleunigten Alterns des Gehirns am deutlichsten. Danach folgten das Hormonsystem, das Herz-Kreislauf-System und die Bauchspeicheldrüse.
Besonders aufmerksam machten die Wissenschaftler, dass elf unabhängige biologische Uhren verschiedener Organe dieselbe Richtung der Veränderungen zeigten. Eine solche Synchronität gilt als starkes Argument dafür, dass es sich nicht um einen statistischen Zufall, sondern um einen einheitlichen Alterungsmechanismus handelt.
Schlafmangel erwies sich als gefährlicher als gedacht
Um die Ergebnisse zu überprüfen, analysierten die Forscher zusätzlich Daten von weiteren 1,4 Millionen Menschen aus 27 verschiedenen internationalen Kohorten.
Es zeigte sich, dass sowohl zu kurzer als auch zu langer Schlaf mit einem erhöhten Risiko eines vorzeitigen Todes verbunden ist. Die Mechanismen dieser Phänomene erwiesen sich jedoch als unterschiedlich.
Zur Bewertung des Ursache-Wirkungs-Zusammenhangs verwendeten die Wissenschaftler die Methode der mendelschen Randomisierung — eines der zuverlässigsten Instrumente der modernen Epidemiologie. Sie ermöglicht es, den Einfluss von Faktoren über genetische Besonderheiten eines Menschen zu bewerten und dabei den Einfluss von Lebensstil und sozialen Bedingungen zu minimieren.
Die Ergebnisse zeigten, dass Menschen mit einer genetischen Veranlagung zu kurzem Schlaf tatsächlich schneller altern und ein höheres Risiko für einen frühen Tod haben.
Die Fachleute führen diesen Effekt auf eine chronische systemische Entzündung zurück, die nach und nach Gewebe und Organe im gesamten Körper schädigt.
Warum auch zu viel Schlaf gefährlich ist
Auf den ersten Blick könnten die Ergebnisse bedeuten, dass es umso besser ist, je mehr ein Mensch schläft. Die Daten zeigten jedoch das Gegenteil.
Menschen, die regelmäßig neun Stunden oder mehr schlafen, sind häufiger von schweren Erkrankungen betroffen. Den in der Studie vorgelegten Daten zufolge ist langer Schlaf mit einem um 65% erhöhten Schlaganfallrisiko, einem um 42% erhöhten Depressionsrisiko und einem um 41% erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden.
Die Forscher betonen jedoch einen wichtigen Punkt: In den meisten Fällen ist langer Schlaf wahrscheinlich nicht die Ursache dieser Probleme.
Eher im Gegenteil — ein erhöhter Schlafbedarf kann ein frühes Signal bereits entstehender Gesundheitsstörungen sein, die der Körper durch zusätzliche Erholung zu kompensieren versucht.
Deshalb raten die Fachleute davon ab, den allgemeinen Rat „so viel wie möglich schlafen“ als wissenschaftlich fundierte Empfehlung zu verstehen.
Ein neuer Orientierungspunkt im Kampf gegen das Altern
Die Studie wurde zu einer weiteren Bestätigung dafür, dass Schlaf einer der wichtigsten Mechanismen der Erholung des Körpers ist.
Wenn viele Faktoren des Alterns schwer zu kontrollieren sind, bleibt die Schlafdauer ein Parameter, den der Mensch schon heute verändern kann. Genau deshalb betrachten die Wissenschaftler die Kontrolle des Schlafrhythmus als eine der zugänglichsten Strategien zur Erhaltung von Gesundheit und Langlebigkeit.
Obwohl die Forscher betonen, dass die optimale Schlafdauer von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein kann, deuten die gewonnenen Daten auf einen ziemlich engen Bereich hin, in dem der Organismus am effizientesten funktioniert.
Und wenn sich die Ergebnisse der Arbeit in weiteren Studien bestätigen, könnte die gewöhnliche Frage „Wie viele Stunden schlafen Sie?“ zu einem der wichtigsten Gesundheitsindikatoren eines Menschen werden — neben Blutdruck sowie Zucker- und Cholesterinwerten.
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