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In der Türkischen Republik Nordzypern ist man des Wartens müde: Warum Türkischzyprioten immer häufiger eine Lösung für den seit einem halben Jahrhundert andauernden Konflikt fordern

28.07.2026 / 13:56
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Eine neue Studie zeigt: Die Mehrheit der Bewohner des nördlichen Teils der Insel ist nicht länger bereit, den Status quo hinzunehmen, vertraut jedoch auch keinem Lösungsszenario bedingungslos

Seit fast einem halben Jahrhundert gehört die Zypernfrage zu den langwierigsten Konflikten Europas. In dieser Zeit wurde die Teilung der Insel zur gewohnten Realität. Doch aktuelle Daten zeigen: Die Geduld der Türkischzyprioten geht zu Ende.

Der Studie des Zentrums für Migrations-, Identitäts- und Rechtsforschung (CMIRS) zufolge sprechen sich 65,09 % der Bewohner für eine Einigung in der Zypernfrage aus, während 59,96 % die gegenwärtige Situation für nicht akzeptabel halten. Die Umfrage wurde im Juni 2026 anhand persönlicher Befragungen unter 500 Personen durchgeführt.

Der Wunsch nach Veränderung wird immer stärker

Die wichtigste Schlussfolgerung der Studie lautet — die Gesellschaft ist immer weniger bereit, das Ausbleiben einer Lösung hinzunehmen.

Nach Angaben der CMIRS-Direktorin Mine Yücel wird der Status quo von einem erheblichen Teil der Bevölkerung nicht mehr als tragfähige Strategie wahrgenommen. Die Menschen sind der Ungewissheit müde, die sich auf die Wirtschaft, die Sicherheit und die Lebensqualität auswirkt.

Die größte Unterstützung erhielt das Modell einer bikommunalen, bizonalen Föderation auf der Grundlage politischer Gleichheit. 75,94 % der Studienteilnehmer halten es für akzeptabel.

Doch Vertrauen in irgendein Szenario gibt es bislang nicht

Die Studie brachte ein wichtiges Paradox zutage: Obwohl sie die Föderation unterstützen, räumen 63,52 % ihrer Befürworter gleichzeitig ein, dass diese Option ihnen Sorgen bereitet.

Das zeigt, dass die Gesellschaft die Idee einer Lösung grundsätzlich unterstützt, aber daran zweifelt, wie sie umgesetzt wird und welche Folgen sie haben könnte.

Das Modell einer Konföderation halten 61,37 % der Befragten für akzeptabel, während die Idee eines Einheitsstaates nur von 25,95 % unterstützt wird. Gleichzeitig stellen die Forscher einen allmählichen Anstieg der Sympathien für die letztgenannte Option fest und führen dies auf die Enttäuschung über den fehlenden Fortschritt zurück.

Die Hälfte der Bevölkerung ist zu einem gemeinsamen Leben bereit

Aufschlussreich war auch die Antwort auf die Frage, ob ein erneutes Zusammenleben mit den Griechischzyprioten möglich wäre.

50,31 % der Befragten unterstützten diese Perspektive. Nach Angaben von Mine Yücel ist die Gesellschaft praktisch in zwei Hälften geteilt: Einige sind zum Zusammenleben bereit, andere stehen der Idee weiterhin vorsichtig gegenüber. Das bedeutet, dass für einen dauerhaften Frieden nicht nur ein politisches Abkommen, sondern auch die Wiederherstellung des Vertrauens zwischen den Gemeinschaften erforderlich sein wird.

Die größte Sorge ist die Ungewissheit

Die Studie zeigt, dass die Zypernfrage weiterhin zu den wichtigsten Ursachen für gesellschaftliche Besorgnis gehört.

So beunruhigt 88,38 % der Teilnehmer die anhaltende Ungewissheit, 82,36 % befürchten ein Scheitern der Verhandlungen, 92,58 % — eine Verschärfung der internationalen Isolation, und 91,98 % sind der Ansicht, dass das Ausbleiben einer Lösung die wirtschaftliche Entwicklung weiterhin bremsen wird.

Mehr als 90 % der Befragten äußerten zudem Besorgnis über die Energie- und Sicherheitslage im östlichen Mittelmeerraum, einschließlich der jüngsten von der griechisch-zypriotischen Seite geschlossenen Vereinbarungen.

Die Gesellschaft sucht kein ideales Modell, sondern eine funktionierende Lösung

Auch die Idee der Gründung zweier Staaten wird nicht als eindeutig gangbarer Ausweg wahrgenommen: 44,09 % der Teilnehmer erklärten, dass auch dieses Szenario bei ihnen Sorgen auslöst.

Nach Angaben von Mine Yücel zeigen die Ergebnisse der Studie, dass die Bewohner des nördlichen Teils Zyperns nicht bereit sind, bedingungslos ein bestimmtes Lösungsmodell zu unterstützen. Ihr wichtigstes Anliegen ist heute eine Lösung, die Sicherheit, politische Stabilität und wirtschaftliche Perspektiven gewährleisten kann.

Genau dieses Anliegen und nicht die Bindung an eine bestimmte politische Formel ist das wichtigste Signal der neuen CMIRS-Studie.

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