Vom Büro ins Wasser: Warum Schweizer den Heimweg über den Fluss antreten
Im Sommer lässt sich in den Schweizer Städten Basel und Bern ein ungewöhnliches Bild beobachten: Nach Feierabend eilen die Menschen nicht zu Bussen oder Autos, sondern ziehen sich um, verstauen Kleidung und Laptops in wasserdichte Säcke und… treiben auf dem Fluss nach Hause. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein virales Social-Media-Video, doch für viele Einheimische ist es längst Teil der städtischen Kultur.
Basel: Der Fluss statt der Straße
Die bekannteste Tradition dieser Art gibt es in Basel. In den heißen Monaten nutzen Tausende Stadtbewohner die Strömung des Rheins, um schnell und angenehm in den gewünschten Stadtteil zu gelangen. Sie steigen flussaufwärts ins Wasser, legen sich auf den Rücken oder schwimmen ruhig dahin, und die Strömung trägt sie mehrere Kilometer entlang des historischen Zentrums.
Das wichtigste Symbol dieser ungewöhnlichen Fortbewegungsart ist der leuchtende wasserdichte Sack Wickelfisch. Darin verstaut man Kleidung, Schuhe, Handy, Geldbörse und andere Dinge. Anschließend wird die Oberseite des Sacks mehrmals zusammengerollt und verschlossen. Innen bleibt Luft, sodass der Sack nicht nur die Sachen vor Wasser schützt, sondern auch an der Oberfläche bleibt und neben seinem Besitzer dahintreibt.
Heute ist der Wickelfisch eines der Symbole Basels. Er wird in Touristenshops verkauft, und im Sommer kann man ihn sogar im städtischen Tourismuszentrum ausleihen.
Bern: Eine ähnliche Tradition an der Aare
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in Bern, wo die Einwohner gern auf der Aare treiben. Auch hier werden spezielle wasserdichte Aare Bags verwendet, die es ermöglichen, Dinge mitzunehmen, ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass sie nass werden.
Auch wenn diese Art der Fortbewegung im Internet oft als „Weg nach Hause nach der Arbeit“ bezeichnet wird, erklären die Schweizer selbst, dass es für die meisten eher ein angenehmes Sommerritual und eine Möglichkeit ist, sich nach dem Arbeitstag abzukühlen, als ein vollwertiger Ersatz für den öffentlichen Nahverkehr. Einige beenden ihre Strecke tatsächlich in der Nähe ihres Zuhauses, doch viele tun es ausschließlich zur Erholung.
Alles begann mit sauberem Wasser
Diese Tradition wurde durch die außergewöhnlich sauberen Schweizer Flüsse möglich. Die Behörden in Basel veröffentlichen sogar Empfehlungen zum sicheren Baden und überwachen täglich die Wassertemperatur, den Flusspegel und die Strömungsgeschwindigkeit. Das Schwimmen ist nur bei geeigneten Bedingungen erlaubt.
In Basel findet außerdem jedes Jahr ein Massenbad im Rhein statt, bei dem Tausende Teilnehmer gleichzeitig flussabwärts unterwegs sind. Vom Ufer aus sieht das wie ein echter bunter Fluss aus leuchtenden wasserdichten Säcken aus.
Kein Stadtverkehr, sondern eine Sommert radition
Trotz viraler Beiträge in sozialen Netzwerken ist die Behauptung, dass die Einwohner von Basel und Bern massenhaft „vom Arbeitsplatz nach Hause schwimmend“ unterwegs seien, etwas übertrieben. Ja, viele nutzen tatsächlich nach Feierabend die Strömung des Flusses, doch es handelt sich dabei in erster Linie um eine saisonale städtische Tradition, um Erholung und eine Möglichkeit, der Hitze zu entkommen, und nicht um eine vollwertige Alternative zum Transport.
Dennoch bleibt gerade diese ungewöhnliche Gewohnheit seit vielen Jahren eines der bekanntesten sommerlichen Merkmale der Schweizer Städte und überrascht Touristen aus aller Welt immer wieder aufs Neue.
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