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Enthusiasten haben eine interaktive Weltkarte der Pilze entwickelt

22.06.2026 / 16:35
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Wissenschaftler haben erstmals in der Geschichte eine globale Karte des riesigen unterirdischen Pilznetzwerks erstellt, das den gesamten Planeten buchstäblich durchzieht. Die Studie zeigte, dass die Gesamtlänge dieser unsichtbaren Fäden unglaubliche 110 Billiarden Kilometer erreicht — fast eine Milliarde Mal mehr als die Entfernung von der Erde zur Sonne.

Es geht um mikroskopische Pilzstrukturen — die sogenannten Mykorrhizapilze. Sie bilden unter der Erde ein riesiges Netzwerk feinster Fäden, das die Wurzeln von Pflanzen zu einem einzigen System des Ressourcenaustauschs verbindet. Wissenschaftler bezeichnen es seit langem als «natürliches Internet» oder Wood Wide Web — ein Gegenstück zum World Wide Web, nur von der Natur selbst geschaffen.

Für die Erstellung der Karte analysierten die Forscher mehr als 16.000 Bodenproben von allen Kontinenten und verwendeten anschließend maschinelles Lernen sowie robotergestützte Aufnahmen von Hunderttausenden von Pilzfäden. Das Ergebnis war die weltweit erste interaktive Karte, die die Verteilung dieser verborgenen Infrastruktur auf dem gesamten Planeten sichtbar macht.

Das Erstaunlichste sind die Ausmaße. In jedem Quadratzentimeter der oberen Bodenschicht können sich etwa 4,4 Meter Pilzfäden befinden. Und in einem einzigen Teelöffel Erde kann ihre Länge 10 Meter erreichen. Würde man all diese Fäden zu einer Linie ziehen, entstünde ein Netzwerk, das die Erde und die Sonne Hunderte Millionen Mal verbinden könnte.

Doch dieses System ist nicht nur riesig — es ist für das Bestehen der meisten Ökosysteme lebenswichtig. Nach Schätzungen der Wissenschaftler helfen Mykorrhizapilze mehr als 70% aller Landpflanzen dabei, Wasser und Nährstoffe aufzunehmen, und erhalten im Gegenzug den bei der Photosynthese produzierten Kohlenstoff.

Die Studie zeigte auch, dass Pilznetzwerke eine Schlüsselrolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen. Jedes Jahr helfen sie dabei, etwa 4 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in den Boden zu transportieren, was ungefähr 11% aller anthropogenen CO₂-Emissionen entspricht. Faktisch arbeitet die unterirdische Welt der Pilze als einer der größten natürlichen Kohlenstoffspeichermechanismen der Erde.

Die Wissenschaftler warnen jedoch: Diese unsichtbare Infrastruktur ist bedroht. Intensive Landwirtschaft, Bodenbearbeitung, chemische Düngemittel und Bodendegradation haben bereits dazu geführt, dass die Dichte der Pilznetzwerke auf landwirtschaftlich genutzten Flächen fast doppelt so niedrig ist wie in natürlichen Ökosystemen.

Die neue Karte macht erstmals nicht nur das Ausmaß dieses unterirdischen Universums sichtbar, sondern auch die Regionen, in denen es am verletzlichsten ist. Die Forscher hoffen, dass die Entdeckung dazu beitragen wird, Böden besser zu schützen und eines der wichtigsten lebenserhaltenden Systeme unseres Planeten zu bewahren — eines, das die Menschheit bisher kaum wahrgenommen hat.

Link zur Website mit der interaktiven Karte: https://a-hidden-infrastructure.spun.earth/map

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