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Ein IT-Spezialist mit 25 Jahren Berufserfahrung bei Adobe findet keine Arbeit und wird Schulbusfahrer

17.08.2026 / 16:09
News Category

Der amerikanische Ingenieur James Strawn saß nach mehr als 25 Jahren in der Technologiebranche am Steuer eines Schulbusses. Im August 2025 verlor er seine Stelle bei Adobe und versuchte anschließend mehr als ein Jahr lang erfolglos, eine neue Position in der IT zu finden. Seinen Angaben zufolge wurden seine Bewerbungen aussortiert, Recruiter ignorierten seine Nachrichten, und einige Arbeitgeber erschienen sogar nicht zu vereinbarten Vorstellungsgesprächen.

Schließlich beschloss Strawn, den Beruf zu wechseln, und nahm in seinem Bezirk in Colorado eine Stelle als Schulbusfahrer an. Seine Geschichte verbreitete sich schnell auf LinkedIn und löste eine Diskussion darüber aus, was derzeit mit erfahrenen Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt geschieht.

Ein Vierteljahrhundert in der Technologiebranche

Strawns beruflicher Werdegang ist tatsächlich beeindruckend. Sein LinkedIn-Profil zeigt, dass er von April 2000 bis August 2025 bei Adobe arbeitete – etwa 25 Jahre und fünf Monate. Seine letzte Position war die eines Senior Software Quality Engineer im Bereich Adobe Digital Video.

Strawn war für die Softwarequalität zuständig und arbeitete mit Adobe-Produkten wie Premiere Pro und After Effects. Auch eine archivierte Adobe-Seite bestätigt seine Tätigkeit im Premiere-Pro-Team: Das Unternehmen bezeichnete ihn als Quality Engineer, der für Premiere Pro verantwortlich war und mit anderen Teams zusammenarbeitete, darunter After Effects, Prelude und Photoshop.

Vor Adobe hatte er bereits bei anderen Technologieunternehmen gearbeitet, darunter Accolade. In einer kürzlich veröffentlichten Mitteilung erinnerte sich Strawn selbst an seine lange Karriere bei Accolade und Adobe.

Und dann endete seine Karriere nach 25 Jahren bei Adobe abrupt.

Ein Jahr der Suche und Absagen

Nach seiner Kündigung im August 2025 begann Strawn, nach einer neuen Arbeit zu suchen. Seiner eigenen Veröffentlichung zufolge dauerte die Suche mehr als ein Jahr und war äußerst schwierig.

Er schreibt, dass er sich demoralisiert fühlte und seiner Aussage nach von der Hightech-Branche diskriminiert wurde. Strawn wandte sich außerdem direkt an Recruiter und potenzielle Arbeitgeber, die seine Bewerbungen, wie er behauptet, „blind“ aussortierten, direkte Kontaktaufnahmen ignorierten und manchmal sogar nicht zu vereinbarten Vorstellungsgesprächen erschienen.

Hier ist ein Punkt wichtig: Strawn behauptet nicht, dass seine Bewerbungen konkret von Algorithmen der künstlichen Intelligenz aussortiert wurden. Er spricht von einer automatischen oder gedankenlosen Filterung von Bewerbungen, doch in seiner Veröffentlichung gibt es keinen Beleg dafür, dass die Entscheidungen tatsächlich von einem KI-System getroffen wurden.

Die Formulierung, dass „sein Lebenslauf die KI-Filter nicht passierte“, wäre daher zu kategorisch. Korrekt wäre es, davon zu sprechen, dass er mit einer automatisierten Bewerbungsfilterung und ausbleibenden Reaktionen von Recruitern konfrontiert war, ohne zu behaupten, dass gerade künstliche Intelligenz die Ursache war.

„Ich werde einen 40-Fuß-Bus statt eines Computers fahren“

Irgendwann beschloss Strawn, nicht länger zu warten.

In seiner Veröffentlichung teilte er mit, dass er eine neue – und, wie er hofft, letzte – Karriere als Schulbusfahrer in einem örtlichen Schulbezirk beginnt. Die Arbeit wird deutlich schlechter bezahlt als seine vorherige Stelle, doch Strawn beschrieb sie überraschend positiv: Er mag die Arbeit, die Kinder seien seiner Aussage nach größtenteils gut, und seine Kollegen bezeichnete er als fürsorgliche, freundliche und unkomplizierte Menschen.

Besonders auffällig war seine Aussage, dass er nun froh sei, einen 40-Fuß-Bus fahren zu können, statt am Computer zu arbeiten.

Das ist weniger eine Geschichte über ein vollständiges berufliches Scheitern als vielmehr die Geschichte eines Menschen, der nach einem Jahr erfolgloser Arbeitssuche beschloss, seinem Leben eine neue Richtung zu geben.

Strawn betrachtet seine neue Arbeit offensichtlich nicht als etwas Beschämendes. Im Gegenteil: Er schreibt darüber wie über einen Neuanfang.

Was ist auf dem Arbeitsmarkt passiert?

Genau dieser Aspekt machte die Geschichte viral.

Strawns Beitrag erhielt schnell zahlreiche Reaktionen und Kommentare von Menschen, die von ihren eigenen Erfahrungen mit einer langwierigen Arbeitssuche berichteten. Einer der Kommentatoren schrieb beispielsweise, dass er nach der Veröffentlichung von 13 Büchern und Tausenden Bewerbungen nun etwa 20 Dollar pro Stunde mit Lieferungen für Amazon Flex verdiene. Andere Nutzer erzählten von ihrem Wechsel aus der Technologie- und Unternehmenswelt in völlig andere Berufe.

Die Geschichte wurde als Beispiel für ein Problem diskutiert, mit dem erfahrene Fachkräfte konfrontiert sind: Jahrzehnte beruflicher Erfahrung und ein beeindruckender Lebenslauf garantieren inzwischen nicht einmal mehr eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch.

Es wäre jedoch falsch, daraus zu schließen, dass der Arbeitsmarkt im Jahr 2026 erfahrene Ingenieure vollständig nicht mehr braucht.

Strawns Geschichte ist in erster Linie die persönliche Erfahrung eines einzelnen Fachmanns und kein Beleg dafür, dass alle erfahrenen Beschäftigten automatisch durch KI ersetzt werden oder Unternehmen massenhaft auf ältere Arbeitnehmer verzichten.

Und doch spielt das Alter hier eine Rolle

Das Problem der Altersdiskriminierung in der Technologiebranche existiert tatsächlich, auch wenn sich im Fall von Strawn nicht behaupten lässt, dass gerade sein Alter der Grund für die Absagen war.

Je länger ein Mensch in einer Branche arbeitet, desto wahrscheinlicher ist es, dass sein Lebenslauf durch die Brille des Alters, der Gehaltsvorstellungen und der Übereinstimmung mit der modernen Unternehmenskultur betrachtet wird.

Bei Strawn kam noch ein weiterer paradoxer Faktor hinzu: Seine Erfahrung konnte gleichzeitig sein größter Vorteil und sein größtes Hindernis sein.

Er verfügte über einen enormen beruflichen Erfahrungsschatz, bewarb sich jedoch in einer Branche, die sich in den vergangenen Jahren stark verändert hat. Entwicklungswerkzeuge, Testmethoden, Cloud-Technologien und KI entwickeln sich so schnell, dass Arbeitgeber zunehmend nicht einfach eine bestimmte Anzahl von Berufsjahren suchen, sondern konkrete, aktuelle Fähigkeiten.

Doch auch das erklärt nicht alle Fälle, von denen Strawn berichtet: Wenn ein Bewerber keine Antwort erhält oder seine Bewerbung von einem automatischen System aussortiert wird, bekommt er möglicherweise gar keine Gelegenheit, seine Qualifikation unter Beweis zu stellen.

Die Ironie ist, dass er sich von der Technologie nicht endgültig verabschiedet hat

Das Interessanteste ist, dass Strawn nicht zu jemandem wurde, der plötzlich nichts mehr mit IT zu tun haben wollte.

Sein Profil beschreibt ihn weiterhin als Spezialisten für Software Quality Assurance. Zu seinen beruflichen Kompetenzen gehören Adobe Premiere Pro, After Effects und Technologien im Zusammenhang mit generativer KI.

Der Wechsel ans Steuer eines Schulbusses erfolgte also nicht, weil der Ingenieur seinen Beruf vollständig aufgegeben hätte. Er war vielmehr das Ergebnis einer langen und, seinen Worten zufolge, zermürbenden Arbeitssuche.

Genau das macht die Geschichte besonders eindrucksvoll.

Ein Mensch kann ein Vierteljahrhundert damit verbringen, sich einen beruflichen Ruf aufzubauen, an Produkten arbeiten, die von Millionen Menschen genutzt werden, und über Erfahrungen verfügen, die sich nicht in wenigen Monaten erwerben lassen. Doch nach einer Kündigung muss er trotzdem praktisch wieder bei null anfangen.

Diese Geschichte handelt nicht von einem „Abstieg“, sondern von einem Neuanfang

Strawn beendet seine Veröffentlichung nicht mit einer Klage.

Er dankt ehemaligen Kollegen und Bekannten, die ihn während der Arbeitssuche unterstützt haben. An jene Arbeitgeber und Recruiter, die ihn abgelehnt haben, richtet er eine deutlichere Botschaft: Er hoffe, dass die Technologiebranche irgendwann wieder lernen werde, Bewerber menschlich zu behandeln.

Und darin liegt das zentrale Paradoxon seiner Geschichte.

Nach 25 Jahren bei Adobe bekam er keine neue Stelle bei einem anderen Technologieunternehmen. Er bekam einen Schulbus.

Doch seinen Worten zufolge erhielt er damit auch das, was er während eines Jahres der IT-Arbeitssuche nicht finden konnte: normale Kollegen, persönlichen Austausch und das Gefühl, dass seine Arbeit für jemanden wirklich gebraucht wird.

Strawns Geschichte wurde deshalb nicht nur wegen des Kontrasts „Adobe → Schulbus“ viral. Sie zeigt eine neue Realität des Arbeitsmarktes: Erfahrung, ein großer Name im Lebenslauf und Jahrzehnte beruflicher Tätigkeit garantieren nicht mehr, dass sich die Tür zum nächsten Unternehmen überhaupt öffnet.

Und manchmal muss ein Mensch selbst eine andere Tür wählen – auch wenn dahinter statt eines Büros und eines Computers ein gelber Schulbus steht.

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