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KI gegen KI: Ein Anwalt schlug Meta und Google mit digitalen Geschworenen-Doppelgängern

15.07.2026 / 16:24
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In den USA ist einer der meistdiskutierten Gerichtsprozesse der vergangenen Monate zu Ende gegangen – ein Verfahren, das zu einem Wendepunkt für die gesamte Social-Media-Branche werden könnte. Der bekannte amerikanische Anwalt Marc Lanier setzte künstliche Intelligenz zur Vorbereitung auf die Verhandlung ein und errang einen Sieg über Meta und Google.

Der Fall betraf den Vorwurf, die Produkte der Unternehmen förderten bei minderjährigen Nutzern die Entstehung von Abhängigkeiten. Die Geschworenen erklärten beide Unternehmen für haftbar und ordneten an, der Klägerin eine Entschädigung in Höhe von 6 Millionen US-Dollar zu zahlen.

Digitale Doppelgänger der Geschworenen

Das Hauptmerkmal des Verfahrens war Laniers ungewöhnliche Strategie. Statt sich ausschließlich auf Erfahrung und Intuition zu verlassen, nutzte der Anwalt moderne KI-Modelle, um die Reaktionen der Geschworenen zu simulieren.

Anhand von Angaben aus den Jury-Fragebögen erstellte er digitale Modelle jedes einzelnen Geschworenen. Nach jedem Verhandlungstag wurden dem System neue Informationen zugeführt: Zeugenaussagen, Argumente der Parteien und weitere Unterlagen des Verfahrens.

Die KI analysierte, welche Argumente am überzeugendsten waren und welche Zweifel auslösten. So konnte Laniers Team seine Strategie nahezu in Echtzeit anpassen und die mögliche Reaktion der Geschworenen frühzeitig einschätzen.

Dabei ist wichtig zu verstehen, dass künstliche Intelligenz den Ausgang des Gerichtsverfahrens nicht „vorhersagte“, sondern lediglich die wahrscheinliche Reaktion auf verschiedene Argumente modellierte und den Anwälten half, sich besser auf die nächsten Verhandlungstage vorzubereiten.

Interne Unternehmensdokumente wurden zum Schlüsselnachweis

Ein ebenso wichtiger Teil des Verfahrens waren die internen Dokumente von Meta und Google, die vor Gericht vorgelegt wurden.

Unter den Materialien befanden sich dienstliche E-Mails und Präsentationen, in denen Mitarbeiter einzelne Mechanismen ihrer Dienste mit Spielautomaten („slot machines“) verglichen und darüber diskutierten, wie sich die Aufmerksamkeit der Nutzer möglichst lange binden lässt.

Aus Sicht der Anklage belegen diese Dokumente, dass die Unternehmen sich der Wirkung ihrer Algorithmen auf das Verhalten der Nutzer bewusst waren – darunter auch von Kindern und Jugendlichen. Gerade diese Unterlagen wurden zu einigen der wichtigsten Beweismittel im Verlauf des Verfahrens.

Warum dieses Urteil wichtig ist

Experten betonen, dass die Bedeutung dieses Falls weit über die Entschädigung von 6 Millionen US-Dollar hinausgeht.

In den vergangenen Jahren wurden in den USA Hunderte Klagen gegen die größten Technologieunternehmen eingereicht. Die Kläger argumentieren, dass Empfehlungsalgorithmen, endloses Scrollen durch den Feed, Benachrichtigungssysteme und andere Mechanismen gezielt entwickelt worden seien, um die Nutzer maximal zu binden, was sich negativ auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auswirken könne.

Sollten Gerichte in solchen Fällen regelmäßig entsprechend entscheiden, könnten auf die Tech-Giganten milliardenschwere Zahlungen und die Notwendigkeit zukommen, die Funktionsweise ihrer Dienste grundlegend zu überarbeiten.

Künstliche Intelligenz verändert die Arbeit von Anwälten

Der Einsatz von KI in der juristischen Praxis beschränkt sich längst nicht mehr auf die Suche nach Rechtsprechung oder die Erstellung von Dokumenten.

Der Fall Marc Lanier zeigt, dass neuronale Netze inzwischen auch zur Modellierung des Verhaltens von Verfahrensbeteiligten, zur Analyse der Wirksamkeit von Argumenten und zur Anpassung der Prozessstrategie während des laufenden Verfahrens eingesetzt werden.

Gleichzeitig werfen solche Methoden bei Juristen und Ethikexperten Fragen auf. Die einen sehen darin eine logische Weiterentwicklung moderner Technologien, andere halten es für erforderlich, den Einsatz digitaler Geschworenen-Modelle gesondert rechtlich zu regeln.

Wie es weitergeht

Nach Ansicht vieler amerikanischer Juristen könnte dieses Verfahren zu einem wichtigen Präzedenzfall in einer Reihe von Klagen gegen die größten IT-Unternehmen werden. Die Aufmerksamkeit der Fachwelt galt dabei nicht nur dem Urteil selbst, sondern auch der neuen Vorbereitungsstrategie, die auf dem Einsatz künstlicher Intelligenz beruhte.

Sollte sich eine solche Praxis weit verbreiten, könnte KI zu einem ebenso selbstverständlichen Werkzeug eines Anwalts werden wie Datenbanken mit Rechtsprechung oder Systeme zur Dokumentenanalyse. Das dürfte den Umgang mit komplexen Gerichtsverfahren in den kommenden Jahren spürbar verändern.

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