Eine Schlagzeile, die die Türkei in Angst versetzte: Journalisten wegen „Erdoğans Tod“ festgenommen
In der Türkei geriet die Lokalzeitung Aydın Denge nach der Veröffentlichung der Schlagzeile «Erdoğan Vefat Etti» — «Erdoğan ist gestorben» auf Facebook ins Zentrum eines Skandals. Auf den ersten Blick wirkte die Meldung wie eine Nachricht über den Tod des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Tatsächlich ging es um den Tod einer Einwohnerin namens Gülşen Erdoğan.
Die Veröffentlichung erschien am 25. August. Die Zeitung verwendete einen schwarzen Hintergrund und eine große Aufschrift in gelber und weißer Farbe: «Erdoğan Vefat Etti». In der Veröffentlichung selbst befand sich jedoch ein Link zur Todesanzeige von Gülşen Erdoğan. Gerade die Gestaltung und das Fehlen des Vornamens der Verstorbenen in der großen Schlagzeile führten dazu, dass die Meldung als Nachricht über den Tod des Präsidenten wahrgenommen wurde.

Warum es zu dieser Verwechslung kam
Der Grund liegt in den Besonderheiten der türkischen Sprache. Im Türkischen werden Verben nicht nach dem Geschlecht verändert, daher zeigt die Konstruktion «Erdoğan vefat etti» nicht, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt.
Der Satz bedeutet «Erdoğan ist verstorben» und kann durchaus in einem Nachruf auf jede Person mit dem Nachnamen Erdoğan verwendet werden. In diesem Fall stimmte der Nachname mit dem des amtierenden Präsidenten des Landes überein, während der Vorname Gülşen aus der Schlagzeile verschwunden war.
Deshalb konnte jeder, der in einem sozialen Netzwerk nur das Bild sah, tatsächlich annehmen, dass es um Recep Tayyip Erdoğan ging.
Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein
Nach der Verbreitung der Veröffentlichung in den sozialen Netzwerken und Beschwerden von Bürgern leitete die Staatsanwaltschaft von Aydın Ermittlungen nach Artikel 217/A des türkischen Strafgesetzbuches ein — wegen der «öffentlichen Verbreitung irreführender Informationen».
Die Ermittler interessierten sich nicht nur für den Inhalt, sondern auch dafür, wie die Veröffentlichung gestaltet war. Der schwarze Hintergrund und die großen gelb-weißen Buchstaben erinnerten optisch an eine Traueranzeige und verstärkten den Eindruck, dass es um den Tod eines bekannten Politikers ging. Türkische Medien berichteten, dass gerade diese Präsentation einer der Gründe für die Beanstandungen an der Veröffentlichung war.
Zunächst war von drei Festgenommenen die Rede, später waren es vier
In den ersten Stunden nach Beginn der Ermittlungen wurde berichtet, dass gegen drei Mitarbeiter der Zeitung Maßnahmen ergriffen worden waren: gegen die Vertreterin des Mediums Emine Aydın, die verantwortliche Redakteurin Yeşim Ülker und den Journalisten İslam Keleş.
Später wurde bekannt, dass vier Personen festgenommen worden waren. Neben den drei Genannten wurde auch İrem Delidje in Gewahrsam genommen. Alle vier wurden nach den Ermittlungsmaßnahmen dem Gericht vorgeführt und unter Auflagen der Justiz freigelassen. Das bedeutet, dass es derzeit nicht um bereits ergangene Urteile geht, sondern um laufende Ermittlungen.
Dies ist nicht das erste Problem mit dem Nachnamen Erdoğan
Für die Lokalzeitung ist die Formulierung «Erdoğan vefat etti» an sich nicht ungewöhnlich: In Aydın leben zahlreiche Menschen mit diesem Nachnamen, weshalb solche Nachrufe durchaus in der Regionalpresse erscheinen können.
Genau deshalb geht es in dieser Geschichte nicht um die bloße Erwähnung des Nachnamens Erdoğan, sondern um die Art und Weise, wie die Information in den sozialen Netzwerken präsentiert wurde. Wenn im vollständigen Text der Vorname der Verstorbenen genannt war, sah der Nutzer im Facebook-Feed zunächst nur den großen Satz «Erdoğan ist gestorben».
So wurde aus einer gewöhnlichen lokalen Todesanzeige ein politischer Skandal und der Anlass für strafrechtliche Ermittlungen.
Recep Tayyip Erdoğan ist jedoch nicht gestorben. Die Veröffentlichung von Aydın Denge war dem Tod der Einwohnerin Gülşen Erdoğan gewidmet, die denselben Nachnamen wie der Präsident trägt.
Die Geschichte zeigt anschaulich, wie leicht eine auf den ersten Blick harmlose Schlagzeile in sozialen Netzwerken ihre Bedeutung verändern kann: Es genügt, den Vornamen einer Person wegzulassen und nur den Nachnamen stehen zu lassen, der mit dem eines bekannten Politikers übereinstimmt.
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