„Juni-Phänomen“: Tausende Frauen weltweit berichten von Unregelmäßigkeiten ihres Menstruationszyklus
Im Juli wurde ein ungewöhnliches Thema in den sozialen Netzwerken viral. Nutzerinnen von TikTok, Instagram und X aus verschiedenen Ländern begannen massenhaft zu berichten, dass sich ihr Menstruationszyklus im Juni unerwartet verändert habe: Bei einigen setzte die Menstruation verspätet ein, bei anderen früher als erwartet, und manche berichteten sogar von zwei Blutungen innerhalb eines Monats. Im englischsprachigen Internet hat dieses Phänomen bereits die inoffizielle Bezeichnung June Phenomenon („Juni-Phänomen“) erhalten.
Doch handelt es sich tatsächlich um ein globales biologisches Phänomen – oder hat das Internet erneut aus einem Zufall eine weltweite Sensation gemacht?
Was passiert
Die ersten zahlreichen Meldungen tauchten auf TikTok auf und gingen schnell viral. Frauen aus Großbritannien, den USA, Kanada, Australien, Südafrika und mehreren europäischen Ländern berichteten von ähnlichen Symptomen:
einer verspätet einsetzenden Menstruation;
einem früheren Beginn des Zyklus;
ungewöhnlich starken Blutungen;
zwei Zyklen innerhalb eines Kalendermonats.
Experten bestätigen bislang nur eines: Tatsächlich sind sehr viele derartige Meldungen aufgetaucht. Wissenschaftliche Daten, die auf ein einheitliches globales Ereignis hinweisen würden, das gleichzeitig die reproduktive Gesundheit von Millionen Frauen beeinflusst hat, gibt es bislang jedoch nicht.
These Nr. 1: Außergewöhnliche Hitze
Die am häufigsten diskutierte wissenschaftliche Hypothese steht mit dem Wetter in Zusammenhang.
In mehreren europäischen Ländern herrschte in diesem Sommer Rekordhitze. Ärzte erklären, dass eine starke Überhitzung des Körpers den Hypothalamus beeinflussen kann – einen Bereich des Gehirns, der das Hormonsystem reguliert. Außerdem verschlechtern hohe Temperaturen den Schlaf, verstärken die Dehydrierung und erhöhen den Stresspegel. All das kann den Eisprung und damit den Beginn der Menstruation verschieben.
Diese Theorie erklärt jedoch nicht alle Fälle. Ähnliche Berichte kamen auch aus Regionen, in denen keine extreme Hitze festgestellt wurde.
These Nr. 2: Stress und der Effekt sozialer Netzwerke
Gynäkologen erinnern daran, dass der Menstruationszyklus äußerst empfindlich auf jegliche Veränderungen im Körper reagiert.
Einfluss darauf können haben:
emotionaler Stress;
Zeitzonenwechsel;
Schlafstörungen;
Erkrankungen;
intensive körperliche Belastungen;
Veränderungen des Körpergewichts;
bestimmte Medikamente.
Gleichzeitig können die Algorithmen von TikTok den Eindruck einer „Informations-Epidemie“ erzeugen: Nachdem Nutzerinnen mehrere Videos zu einem Thema gesehen haben, achten sie stärker auf ihren eigenen Zustand und bemerken häufiger Abweichungen, die sie zuvor möglicherweise ignoriert hätten.
These Nr. 3: Der Large Hadron Collider
Die viralste Theorie besagt, dass der Start oder die Abschaltung des Large Hadron Colliders für alles verantwortlich sei.
Diese Hypothese entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage.
Physiker haben wiederholt erklärt, dass der Betrieb des Teilchenbeschleunigers biologische Prozesse bei Menschen, die Tausende Kilometer entfernt leben, nicht beeinflussen kann. Es gibt keine einzige Studie, die den Betrieb des Colliders mit Veränderungen des Hormonhaushalts oder des Menstruationszyklus in Verbindung bringt.
Tatsächlich gehört diese Version zur Internet-Verschwörungstheorie.
Was die Wissenschaft sagt
Aktuelle Studien zeigen, dass Zyklusstörungen deutlich häufiger vorkommen, als allgemein angenommen wird.
Als normal gilt ein Zyklus von etwa 21 bis 35 Tagen, wobei sich seine Länge auch bei völlig gesunden Frauen verändern kann. Die Regelmäßigkeit wird von Dutzenden Faktoren beeinflusst, daher deuten einzelne Abweichungen nicht zwangsläufig auf eine Erkrankung hin.
Ärzte betonen jedoch: Wenn die Unregelmäßigkeiten mehrere Monate hintereinander auftreten, von starken Schmerzen, ungewöhnlich starken Blutungen oder einer längeren Verzögerung begleitet werden, sollte man eine Gynäkologin oder einen Gynäkologen aufsuchen und nicht ausschließlich in sozialen Netzwerken nach Antworten suchen.
Fazit
Bis heute gibt es keine Belege für die Existenz eines globalen „Juni-Phänomens“ als einheitliches medizinisches Ereignis. Tatsächlich ist ein Anstieg der Veröffentlichungen in den sozialen Netzwerken zu beobachten. Fachleute erklären ihn jedoch durch das Zusammenspiel individueller physiologischer Faktoren, der Wetterbedingungen, von Stress und der erhöhten Aufmerksamkeit der Nutzerinnen für dieses Thema.
Mit anderen Worten: Der Trend existiert – wissenschaftliche Belege dafür, dass Millionen Frauen gleichzeitig aus ein und derselben Ursache Zyklusstörungen entwickelt haben oder dass der Large Hadron Collider damit etwas zu tun hat, gibt es derzeit jedoch nicht.
You may also be interested in:
- 16-Jähriger stirbt bei Unfall mit Rennmotorrad im Bezirk Paphos
- In Germasogeia greifen etwa zehn Menschen einen Kurier an, vier festgenommen
- In Limassol beginnt eine neue Hochhauswelle – das 181 Meter hohe AURA wird das höchste Gebäude
- Der Rückgang im Tourismus auf Zypern wird bis Jahresende etwa 5 % betragen
- DIKO-Chef fordert wegen des Projekts Great Sea Interconnector den Rücktritt des zyprischen Finanzministers


Kommentare (0)