Das West-Nil-Virus breitet sich in Europa aus: Griechenland verzeichnet Anstieg schwerer Fälle, Italien bleibt der wichtigste Infektionsherd
Europa erlebt einen neuen saisonalen Anstieg der Infektionen mit dem West-Nil-Virus. Besonders angespannt ist die Lage derzeit in Griechenland und Italien, wo die Zahl der Erkrankten rapide steigt und Mediziner vor schweren Komplikationen bei älteren Patienten warnen. Gleichzeitig wurde in Deutschland der erste Infektionsfall dieser Saison bestätigt, was auf eine weitere Ausbreitung des Virus hindeutet.
Nach Angaben der Nationalen Organisation für öffentliche Gesundheit Griechenlands wurden allein in der vergangenen Woche 23 neue Erkrankungsfälle registriert. Seit Beginn der Übertragungssaison, die im Frühjahr gestartet ist, wurden im Land bereits 65 Erkrankte festgestellt. 54 Menschen erlitten dabei eine schwere neuroinvasive Form der Infektion — mit Enzephalitis, Meningitis oder akuter Lähmung. Bei weiteren 11 Patienten verlief die Krankheit mild oder ohne Beteiligung des zentralen Nervensystems. Bis heute wurden sechs Todesfälle bestätigt; alle Verstorbenen waren älter als 65 Jahre und hatten schwere Komplikationen entwickelt.
Die schwierigste Situation in Europa herrscht weiterhin in Italien. Das Land gilt seit mehreren Jahren als einer der wichtigsten Brennpunkte der Viruszirkulation, während ein warmer und feuchter Sommer ideale Bedingungen für die Vermehrung von Mücken — den wichtigsten Überträgern der Infektion — schafft. In der laufenden Saison führt Italien bei der Zahl der registrierten Erkrankungsfälle.
Besonders besorgniserregend ist für Fachleute das Auftreten des ersten bestätigten Falls des West-Nil-Virus in Deutschland in der laufenden Saison. Auch wenn die Erkrankung dort bislang ein Einzelfall bleibt, sehen Mediziner darin einen weiteren Beleg dafür, dass sich die Überträger der Infektion infolge des Klimawandels allmählich weiter nach Norden ausbreiten.
Das West-Nil-Virus wird ausschließlich durch den Stich infizierter Mücken auf den Menschen übertragen, die sich bei Wildvögeln infizieren. Von Mensch zu Mensch wird die Infektion praktisch nicht übertragen, mit Ausnahme äußerst seltener Fälle bei Bluttransfusionen, Organtransplantationen oder von der Mutter auf das Kind.
Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation zeigen etwa 80% der Infizierten überhaupt keine Symptome. Bei etwa jedem Fünften treten Fieber, Kopfschmerzen, Schwäche, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie gelegentlich ein Hautausschlag auf. Bei weniger als 1% der Erkrankten entwickelt sich jedoch eine schwere Schädigung des Nervensystems — eine Enzephalitis oder Meningitis. Diese Krankheitsformen führen am häufigsten zu Krankenhausaufenthalten und Todesfällen, insbesondere bei älteren Menschen und Patienten mit geschwächtem Immunsystem.
Experten führen den Anstieg der Fallzahlen auf den ungewöhnlich heißen Sommer in Europa zurück. Hohe Temperaturen und eine längere warme Jahreszeit ermöglichen es den Mücken, sich schneller zu vermehren und länger aktiv zu bleiben, wodurch das Risiko einer Ausbreitung der Infektion deutlich steigt. Vor diesem Hintergrund ruft das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten die Länder dazu auf, die Überwachung zu verstärken, Gebiete gegen Mücken zu behandeln und die Bevölkerung über Schutzmaßnahmen zu informieren.
Fachleute empfehlen, Repellentien zu verwenden, abends und nachts geschlossene Kleidung zu tragen, Moskitonetze anzubringen und in der Nähe von Häusern keine Behälter mit stehendem Wasser stehen zu lassen, in denen sich Mücken vermehren können. Da es bislang keine spezifische Behandlung oder allgemein eingesetzte Impfung für Menschen gibt, bleibt der wichtigste Schutz die Vorbeugung gegen Mückenstiche.
You may also be interested in:
- 16-Jähriger stirbt bei Unfall mit Rennmotorrad im Bezirk Paphos
- In Germasogeia greifen etwa zehn Menschen einen Kurier an, vier festgenommen
- In Limassol beginnt eine neue Hochhauswelle – das 181 Meter hohe AURA wird das höchste Gebäude
- Der Rückgang im Tourismus auf Zypern wird bis Jahresende etwa 5 % betragen
- DIKO-Chef fordert wegen des Projekts Great Sea Interconnector den Rücktritt des zyprischen Finanzministers


Kommentare (0)