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Ein neuer Trend weltweit: Eltern führen zunehmend Vorstellungsgespräche anstelle ihrer Kinder

03.08.2026 / 13:09
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„Mama erklärt das gleich“ – ein Scherz, der unerwartet Realität geworden ist. Arbeitgeber sehen sich immer häufiger damit konfrontiert, dass Eltern junger Bewerber nicht nur bei der Jobsuche helfen, sondern den gesamten Einstellungsprozess buchstäblich an sich reißen. Sie suchen selbst nach Stellenangeboten, rufen Recruiter an, besprechen Gehalt und Arbeitsbedingungen, begleiten ihre Kinder zu Vorstellungsgesprächen und greifen sogar in die Interviews ein, indem sie an ihrer Stelle Fragen beantworten.

Über den neuen Trend berichtet Business Insider unter Berufung auf HR-Fachleute und Karriereberater. Ihren Angaben zufolge sind solche Fälle längst keine Ausnahme mehr. Manche Eltern nehmen schon im Voraus Kontakt zu Arbeitgebern auf, um herauszufinden, ob die Stelle für ihr Kind geeignet ist. Andere verlangen nach einer Absage ausführliches Feedback, während die Hartnäckigsten an Online-Vorstellungsgesprächen teilnehmen, dabei im Hintergrund bleiben und Antworten vorsagen.

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in den USA, wo das Phänomen der „Helikopter-Eltern“ (helicopter parents) bereits seit vielen Jahren untersucht wird. Studien des Dienstes Zety zufolge waren rund 20 % der Generation Z mindestens einmal gemeinsam mit ihren Eltern bei einem Vorstellungsgespräch, und mehr als die Hälfte der HR-Fachleute gibt an, schon erlebt zu haben, dass Eltern in den Einstellungsprozess eingreifen. Ähnliche Fälle werden auch in Großbritannien, Kanada, Australien und China immer häufiger registriert, wo Eltern nicht selten im Namen ihrer erwachsenen Kinder mit Arbeitgebern verhandeln.

Experten bringen diese Entwicklung mit dem Phänomen der Überbehütung in Verbindung. Eltern der Millennials und der Generation X sind es gewohnt, aktiv am Leben ihrer Kinder teilzunehmen – zunächst in der Schule, später an der Universität und nun auch beim Berufseinstieg. Weitere Faktoren sind der starke Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt, die wirtschaftliche Unsicherheit und der Wunsch der Eltern, ihrem Kind einen möglichst komfortablen Start ins Berufsleben zu ermöglichen.

Für Arbeitgeber wird ein solches Verhalten jedoch meist zu einem Warnsignal. Unternehmen erwarten einen selbstständigen Kandidaten, der Entscheidungen treffen, Verhandlungen führen und Verantwortung für seine Arbeit übernehmen kann. Wenn stattdessen die Mutter oder der Vater die Initiative ergreift, beginnen Recruiter daran zu zweifeln, ob ein solcher Mitarbeiter ohne ständige Unterstützung effektiv arbeiten kann.

Selbst wenn der Kandidat ein Jobangebot erhält, setzen sich die Probleme nach dem Eintritt in das Unternehmen nicht selten fort. HR-Fachleute stellen fest, dass junge Mitarbeiter, die von ihren Eltern durch alle Phasen des Einstellungsprozesses begleitet wurden, häufig Schwierigkeiten haben, selbstständig Entscheidungen zu treffen, Verantwortung vermeiden und ständig detaillierte Anweisungen von ihrer Führungskraft erwarten. Dadurch kann die Einarbeitungszeit deutlich länger dauern.

Auf Nordzypern gibt es bislang keine offizielle Statistik zu solchen Fällen, doch die Voraussetzungen für das Entstehen eines solchen Trends sind bereits vorhanden. Junge Menschen leben hier nicht selten bis zum Alter von 30 Jahren bei ihren Eltern, die familiären Bindungen sind weiterhin sehr eng, und die Jobsuche erfolgt häufig über persönliche Kontakte und Empfehlungen. Angesichts des vergleichsweise kleinen Arbeitsmarktes und der begrenzten Zahl gut bezahlter Stellen helfen Eltern ihren Kindern oft aktiv bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. Bislang geht es dabei vor allem um die Vermittlung von Kontakten und Empfehlungen. Experten schließen jedoch nicht aus, dass Nordzypern mit der Zeit auf dieselben Entwicklungen stoßen könnte, die bereits in den USA und mehreren anderen Ländern zu beobachten sind.

Personalmanagement-Experten betonen: Die beste Möglichkeit, einem erwachsenen Kind beim Aufbau einer Karriere zu helfen, besteht nicht darin, an seiner Stelle das Vorstellungsgespräch zu führen, sondern ihm zu ermöglichen, selbstständig mit Arbeitgebern zu kommunizieren, Fehler zu machen, Erfahrungen zu sammeln und zu lernen, eigene Entscheidungen zu treffen. Genau diese Eigenschaften sind für Arbeitgeber heute mindestens genauso wichtig wie fachliche Fähigkeiten.

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