Auf Zypern fehlen fast 14.000 Arbeitskräfte: Die Wirtschaft wächst schneller, als neue Fachkräfte dazukommen
Die Wirtschaft der Republik Zypern wächst weiter, doch zugleich steht das Land vor einem neuen Problem — es wird für Arbeitgeber immer schwieriger, Mitarbeiter zu finden. Nach aktuellen Daten des zyprischen Statistikamts (Cystat) gab es im ersten Quartal 2026 auf der Insel 13.905 unbesetzte Stellen, und die Quote der offenen Arbeitsplätze erreichte 2,8 %. Das bedeutet, dass fast drei von hundert Stellen unbesetzt bleiben.
Am stärksten ist der Fachkräftemangel in den Sektoren zu spüren, die traditionell die zyprische Wirtschaft antreiben. Spitzenreiter bei der Zahl freier Stellen ist der Handel, wo Arbeitgeber 2649 Beschäftigte suchen. Es folgen Hotels, Restaurants und der Tourismussektor — 2189 Stellen, während der Bausektor einen Mangel von fast 2000 Arbeitskräften verzeichnet.
Besonders bemerkenswert ist, dass die Baubranche einen der höchsten Werte beim Fachkräftemangel aufweist — 4,7 %. Noch höher ist der Wert nur im Bereich Unterhaltung, Sport und Freizeit, wo er 5,1 % erreichte. Auch der Tourismussektor, der sich aktiv auf die Sommersaison vorbereitet, leidet unter einem erheblichen Personalmangel — die Stellenquote liegt hier bei 4 %.
Das Paradoxe daran ist, dass der Arbeitskräftemangel gleichzeitig mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit einhergeht. Im ersten Quartal 2026 sank die Arbeitslosenquote in Zypern auf 4 %, nachdem sie ein Jahr zuvor noch bei 5 % gelegen hatte. Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der erwerbstätigen Bewohner der Insel um rund 17.000 Menschen und überstieg 510.000.
Hinter den positiven Zahlen verbirgt sich jedoch ein weiteres Problem. Für Jugendliche ist es nach wie vor schwierig, den ersten Job zu finden. Die Arbeitslosigkeit unter den 15- bis 24-Jährigen liegt weiterhin deutlich über dem Durchschnitt und übersteigt 13 %. Infolgedessen beklagen Arbeitgeber den Personalmangel, während junge Fachkräfte weiterhin Lebensläufe verschicken, um eine stabile Beschäftigung zu finden.
Experten führen den Fachkräftemangel auf mehrere Faktoren zurück. Der Tourismussektor erholt sich schneller als erwartet, der Bausektor wächst weiter dynamisch, und auf der Insel eröffnen immer mehr internationale Unternehmen aus den Bereichen Technologie, Finanzen und Dienstleistungen. Zugleich ist die Bevölkerung Zyperns vergleichsweise klein, sodass die lokalen Arbeitskräfte bereits nicht mehr ausreichen, um die Nachfrage der Unternehmen zu decken.
Interessant ist, dass Zypern heute zu den EU-Spitzenreitern beim Beschäftigungswachstum gehört. Das Land erzielt bessere Ergebnisse als viele größere Volkswirtschaften der EU, doch gerade dieser Erfolg schafft eine neue Herausforderung: Die Wirtschaft wächst schneller, als neue Arbeitskräfte hinzukommen.
Wenn sich der Trend fortsetzt, werden die Behörden vermutlich immer aktiver ausländische Fachkräfte anwerben und die Programme für Arbeitsmigration ausbauen. Andernfalls könnte der Fachkräftemangel zu einem der größten Hindernisse für das weitere Wachstum der Inselwirtschaft werden.
In Zahlen:
— 13.905 offene Stellen;
— 2,8 % — Quote unbesetzter Arbeitsplätze;
— 2649 Stellen im Handel;
— 2189 Stellen im Hotel- und Gaststättengewerbe;
— 1997 Stellen im Bauwesen;
— 4 % — Arbeitslosenquote;
— Mehr als 510.000 Menschen sind in Zypern beschäftigt.
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