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Ihr Lieblingsblogger könnte eine KI sein: Neue Brand-Strategie enthüllt

02.07.2026 / 14:22
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The Guardian hat mit einer Untersuchung gezeigt, dass der Werbemarkt unbemerkt in eine neue Ära eingetreten ist. Immer mehr Unternehmen bewerben Produkte mit vollständig von KI generierten Influencern, ohne dem Publikum mitzuteilen, dass die Menschen vor der Kamera in Wahrheit nie existiert haben. Darüber hinaus lassen viele Agenturen und Auftragnehmer Geheimhaltungsvereinbarungen (NDAs) unterzeichnen, damit niemand über solche Werbekampagnen spricht.

Wie das System funktioniert

Noch vor Kurzem arbeiteten Marken mit echten Bloggern zusammen: Sie mieteten Studios, engagierten Fotografen, Kameraleute, Visagisten und Cutter. Heute lässt sich all das durch eine einzige Person mit Zugang zu modernen generativen neuronalen Netzen ersetzen.

Den Erkenntnissen der Recherche zufolge erstellen Agenturen entweder vollständig neue digitale Figuren oder generieren KI-Doppelgänger bestehender Models und Blogger. Anschließend produzieren sie für Marken Werbung, die wie gewöhnlicher User-Generated Content (UGC) wirkt: Rezensionen, Unboxings, Reisegeschichten oder Clips aus dem „Alltag“. Für das Publikum sind solche Videos praktisch nicht von echten zu unterscheiden.

Warum Unternehmen diesen Weg gehen

Die Antwort ist ganz einfach — Geld.

Eine vollständige Werbeproduktion kann Zehntausende Dollar kosten. Bezahlt werden müssen ein Team von Fachleuten, die Anmietung einer Location, die Logistik, die Honorare der Models sowie die anschließende Bearbeitung des Materials.

KI ermöglicht ein ähnliches Ergebnis in buchstäblich wenigen Stunden. Es ist nicht nötig, Schauspieler zu suchen, Zeitpläne abzustimmen, sich wegen Krankheiten von Models zu sorgen oder Dreharbeiten zu verschieben. Eine digitale Figur ist immer verfügbar, verlangt nie eine Honoraranhebung und gerät nicht in Skandale.

Deshalb nutzen viele Unternehmen KI nicht nur zum Testen von Werbeideen, sondern auch für vollständige Marketingkampagnen. So hat etwa der Entwickler der Innenarchitektur-App Maket eingeräumt, tatsächlich mit KI-Influencern bei der Bewerbung seiner Dienste experimentiert zu haben.

Alles wird geheim gehalten

Der umstrittenste Teil der Recherche betrifft genau diese Geheimhaltung.

Ersteller von KI-Inhalten berichteten The Guardian, dass Auftraggeber verlangen, NDAs zu unterzeichnen, die es verbieten, den Einsatz von künstlicher Intelligenz offenzulegen.

Laut der Spezialistin für die Erstellung digitaler Figuren, Clarissa Mansfield, erhalten einige große Marken bereits 40–60% des Contents mithilfe generativer KI. Öffentlich geben sich die Unternehmen jedoch lieber so, als seien die Clips von ganz normalen Menschen gedreht worden.

Warum das beunruhigt

Das Problem liegt nicht nur darin, dass die Werbefiguren nicht echt sind.

Die größte Gefahr ist das Verschwinden der Grenze zwischen echten Menschen und digitalen Avataren. Ein Nutzer öffnet Instagram oder TikTok, sieht einen „ganz normalen Menschen“, der angeblich aufrichtig ein Produkt empfiehlt, und ahnt nicht, dass diese Person vollständig von einem Algorithmus erschaffen wurde.

Verschärft wird die Lage durch eine Studie der britischen Organisation Which?: Rund 70% der Menschen konnten echte Videos nicht korrekt von generierten unterscheiden. Das bedeutet, dass die meisten Nutzer bereits nicht mehr selbstständig erkennen können, wer sich auf der anderen Seite des Bildschirms befindet.

Das Recht hinkt der Technologie noch hinterher

In Großbritannien gibt es bislang keine speziellen Vorgaben, solche Werbung zu kennzeichnen. Die Werbeaufsicht ASA erklärt, der Einsatz von KI sei an sich nicht verboten, solange die Werbung Verbraucher nicht in die Irre führe.

In den Ländern der Europäischen Union beginnt sich die Lage zu verändern. Ab August 2026 treten Bestimmungen des AI Act in Kraft, die verlangen, KI-generierte Bilder, Videos und andere ähnliche Inhalte zu kennzeichnen. Ob diese Regeln wirksam sein werden, muss sich allerdings noch zeigen.

Was das für die Zukunft bedeutet

Die Geschichte der KI-Influencer ist längst kein Experiment einzelner Unternehmen mehr, sondern ein neuer Markttrend. Für die Wirtschaft bedeutet er einen drastischen Rückgang der Kosten und die Möglichkeit, praktisch unbegrenzt Werbung zu produzieren. Für Nutzer wird es dadurch immer schwieriger, eine echte Empfehlung von einer digitalen Simulation zu unterscheiden.

Wenn früher die Frage lautete: „Nutzen diese Bloggerin oder dieser Blogger dieses Produkt wirklich?“, dann stellt sich nun eine neue: **„Gibt es diesen Blogger überhaupt?“**

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